Ladytron: Deadzone

In einem Interview irgendwann in diesem Jahrtausend wurde Phil Oakey von The Human League mal gefragt, was er denn von den neueren Bands halte, die sich offensichtlich auf seine bezögen, beispielsweise Ladytron. Und er so: „Ich finde, die haben viel mehr mit Duran Duran zu tun als mit uns.“ Haha, Lacher an den Herrn aus Sheffield, der hat aber auch gesessen!

Nun ließe sich streiten, auf welche Art romantisch die „New Romantics“ in den 80ern, speziell „Popper“ wie Duran Duran waren, inwieweit toll gleichzeitig Hollywood- und James-Bond-kompatibel. Und wie die Sheffield-Variante von, sagen wir, Gelsenkirchener Barock goes Sci Fi Disco mit echt menschlichem Touch da reinpasst. Man könnte aber auch einfach konstatieren, dass Pop-Bands über 40 irgendwie nochmal ganz anders komisch werden, als sie irgendwann eh schon waren. Klar sind Ladytron auch London-trifft-Schottland-trifft-Asien-trifft-Bulgarien-Hipster mit einer verdächtig Boy UND Girl Group Mischung in einem. Aber es ist nunmal Pop und soll es auch sein, nicht wahr. Und dann kommt nach Jahren, in denen Ladytron insgesamt wie Marnie solo sich für so vieles echt engagiert haben in ihren Songs, dieses Video heraus, das daran erinnert, wie damals Lacoste voll provoziert hat mit Aussagen zu Krieg, Ölpest und so: Deadzone heißt der Song auch noch.

Helen Marnie pflegt ja schon länger eine wilde Mischung aus Elfin, ein bisschen Siouxsie und Farbtopf allgemein, aber wird es hier nicht doch ein bisschen effekthaschend? Ist das gewollt, dass die irgendwie nie enden wollenden Neunziger, die im Grunde von ABBA über Eurodance bis in heutige Trash-Pop- und Mottopartys lappen, mit all ihren Anleihen an die 80er, also als der Produzentenpop neu erfunden wurde, hier wie in Gestalt der Band an die Wand gefahren wirken? Oder was erzählen uns da Bild und Ton?

Manchmal kann man den Blick vom Grauen nicht abwenden. Und, wie Nietzsche schrieb, starrt der Abgrund dann halt irgendwann zurück. Ladytron hat gerade irgendwie das Problem, eine Electropop-Band zu sein, die gleichzeitig öko sein müsste. Und das ist natürlich ähnlich paradox wie für viel Geld (und Energie) „Silent Running“ oder meinethalben auch „Fitzcarraldo“ drehen zu müssen. Mutet das nicht eher wie Depeche Mode an, diese Mischung? Hm. Electropop fürs Stadion. „Everything counts in large amounts.“ „Save a prayer til the morning after.“ „Keep feeling fascination!“ Und jede Platte ist ein Comeback. MTV unplugged kommt nicht in Frage.

Schön, wenn ein Video überhaupt solche Fragen aufwirft. Haben manche damals zu Lacoste auch gesagt. Andererseits: Die Band ist nach einem Song von Roxy Music benannt. Und jetzt schauen wir das Video vielleicht noch einmal an.

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kheera