Death and Vanilla: Are You A Dreamer?

 

Vor einigen Jahren hat der Autor dieser Zeilen einmal ein Interview mit Death and Vanilla in ein deutschsprachiges Magazin für elektronische Musik geschmuggelt. Das war zu einer Zeit, als die Band aus Malmö sich noch Zuschreibungen wie „Synthie Duo“ erwehren musste. Dabei war damals bereits klar, dass 60s-Psychedelia, ein wenig angedüsterter Dream Pop und auch Krautrock eher Referenzen waren. 2019 schließlich, gut fünf Jahre später, ist mit Are You A Dreamer? auf Fire Records die Platte erschienen, mit der damals schon zu rechnen war.

Wer sich jemals für Bands wie Broadcast oder Stereolab interessiert hat (und für die Quellen ihrer Musik, also die Instrumente und Samples aus den Sechzigern und Siebzigern), kam schon zu Beginn der Karriere der Band nicht um ein gewisses Staunen herum: Viel Do-It-Yourself-Ästhetik beispielsweise in den Videos, aber auch bei den Covern. Wie schon im Namen – der auch auf die beiden Kernmitglieder verweisen könnte – zu erkennen, eine gewisse Süße, aber auch Goth, Bleiches, Geisterhaftes. Und dann eben dieses eher Skandinavische irgendwo, das Pop immer noch etwas anders erzählt als die Briten es tun. Eine eigenständige Alternative-Pop-Band also.

Kennern und Liebhabern von Labels wie Ghost Box oder Not Not Fun mag Death and Vanilla gar wie eine Shoegazer Variante von Hauntology vorkommen, dem Musikstil, der absichtlich eher die spukigen Seiten von Muzak, Easy Listening und Sunshine Pop aufnimmt und die Vergangenheit als etwas fast Surreales wieder aufleben lässt, wobei gleichzeitig kräftig an der oft allzu glatten Oberfläche von Popmusik gekratzt wird. Genau: Man ist hier nicht bei den Cardigans, aber eben auch nicht in Island. Irgendwo dazwischen ist man halt, aber zeitlich noch ganz woanders.

Die erste größere Aufmerksamkeit erregende und Stil definierende Veröffentlichung der Band, Ghosts in the Machine, war bereits ein derartig wohl temperierter Pop Entwurf, dass man sich im Nachhinein fragt, warum so lange so viele Menschen (und Labels) an dieser Band vorbeihören konnten. Klar: Viel DIY, nicht gerade überproduziert, nicht einmal wirklich US-Style-Neo-Moir-kompatibel. Und natürlich nicht mit einem Major im Rücken, sondern eher vorsichtig Terrain erkundend, aber das eben geschmackssicher und eigenständig. Die Band ist also letztlich richtig bei den Londonern, die auch Bands wie Pulp, Teenage Fanclub und Spacemen 3 in die Nähe des Mainstreams gebracht haben. Nothing is Real vom neuen Album zeigt die Entwicklung recht gut,Hier wird auch ersichtlich, dass das dritte Bandmitglied, der Schlagzeuger, eindeutig Bestandteil dieser traumhaften Gruppe ist.

Vor fünf Jahren solch einen Ausnahme-Act in ein Print(!)-Magazin aus Deutschland mit englischen Wurzeln zu schmuggeln, das war mir schon eine große Freude. Dass ich noch einmal auf zurecht verdiente Meriten samt passendem Plattenvertrag von Death and Vanilla hinweisen kann, nicht weniger. Seien wir also gespannt auf weitere Überraschungen dieser Band aus Malmö!

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kheera